"Wenn die Leute einen lustigen

Abend haben wollen,

werden sie nicht enttäuscht sein."


INTERVIEW MIT JOHN CLEESE

Der Autor, Hauptdarsteller und Produzent von Fierce Creatures redet hier von der Wiedervereinigung des Teams von Ein Fisch namens Wanda , das ihn zum Lachen bringt, und von einem Lemuren namens Rollo.

F:   Wenn man einen so erfolgreichen Film wie "Ein Fisch namens Wanda" gemacht hat, dann ist doch der Druck immens, eine Fortsetzung zu drehen. Sie haben lediglich die gleichen Schauspieler engagiert, Charaktere und Geschichte sind jedoch völlig anders.

A:   Also, wir wollten alle wieder zusammenarbeiten, weil wir uns so gut verstehen und weil wir einen Film gemacht hatten, der derart gut angekommen war. Aber wir dachten alle, daß eine Fortsetzung nicht besonders spannend werden würde. Also entschieden wir uns für eine neue Story mit völlig neuen Charakteren und haben versucht, diese dann einigermaßen anders zu gestalten als in "Wanda". Michael Palin zum Beispiel hat in "Wanda" gestottert, also hört er in diesem Film nie auf zu reden. Das Problem mit Kevin Kline allerdings ist, daß er für "Wanda" einen Oscar bekommen hat. Also, wie ihm die Sache schmackhaft machen?
Antwort: Man gab ihm einfach zwei Rollen.

F:   Hatten Sie das Gefühl, ihm zwei Rollen geben zu müssen, um seiner Persönlichkeit gerecht zu werden? Vor allem, weil Vater und Sohn so gegensätzlich sind?

A:   Ich wollte Kevin etwas geben, was ihn wirklich inspirieren würde, und ich dachte, gib ihm zwei völlig verschiedene Charaktere, denn dann gibt es Situationen im Film, in denen er mit sich selbst sprechen müßte (lacht). Und es ist wirklich schwer zu erkennen, daß beide von Kevin gespielt werden. Es war sogar so, daß die Zuschauer in den Probevorstellungen nicht gesehen haben, daß er auch den Vater spielt.

F:   Nachdem Sie schon einmal mit diesen Schauspielern gearbeitet haben, war es jetzt leichter, für sie zu schreiben?

A:   Beim Schreiben einer Komödie gibt es zwei Punkte: Erstens einen festen Handlungsstrang, der präzise wie ein Uhrwerk ist, zu entwerfen. Zweitens die Charaktere interessant zu machen. Und ich glaube, die meisten Schauspieler können sehr viel beisteuern, wenn sie das Gefühl für ihren Charakter entwickelt haben. Es wäre verrückt von den Autoren, dies nicht zu berücksichtigen. Also bringen wir den Ball ins Rollen. Und wenn Kevin und Jamie anfangen, sich in ihren Charakteren wohl zu fühlen, fordere ich sie auf: "Zeig mir was!", und dann sagen sie mir, was sie mögen und was nicht, und wir kreieren ihre Rollen gemeinsam.

F:   Warum arbeiten Sie vier so gut zusammen?

A:   Ich glaube, es ist eine Sache des Vertrauens. Es ist wie Bergsteigen - hat mir einmal jemand gesagt - diese außergewöhnliche Art der Bindung, die man mit jemandem herstellt. Wenn Sie vor der Kamera stehen, ist es dasselbe. Sie wissen genau, daß Sie die Szenen verpatzen können und man dann ganz schön alt aussieht. Vertrauen ist demnach das Wichtigste: Man muß loslassen und aufhören, den einen gegen den anderen auszuspielen. Niemand versucht hier, Punkte zu machen. Keiner versucht in einer bestimmten Szenen, der Komischste zu sein. Und ich glaube, es ist dieses Vertrauensverhältnis, was die Komödie zur Komödie macht.

F:   Jamie Lee Curtis' Charakter scheint fast ein Rückgriff auf die Art von Rollen zu sein, die Carol Lombard früher gespielt hat.

A:   Hmm. Eines der Dinge in einer Komödie ist, daß einer der Charaktere ein bißchen normaler sein muß als die anderen. Wenn alle verrückt sind, geht das nicht gut. In "Ein Fisch namens Wanda" zum Beispiel habe ich eigentlich recht normal agiert. Ich habe nicht zu viele verrückte Sachen gemacht. Ich war quasi der Anker. In diesem Film war viel eher Jamie der emotionale Anker. Ihre Geschichte, ihr "gefühlsmäßiger Bogen", wie man sagt, die Entwicklung ihres Charakters sind eigentlich die Dinge, um die sich der Film dreht. Sie als Anker ermöglicht Michael Palin, Kevin und mir, noch verrückter zu sein.

F:   In diesem Film spielt sie ja wirklich ihre körperlichen Reize aus.

A:  Das stimmt. Eines der großartigsten Dinge an Jamie ist, daß sie sich recht wohl dabei fühlt, vor der Kamera sexy und verführerisch zu agieren. In "Ein Fisch namens Wanda" zum Beispiel waren vier Kerle hinter ihr her, und sie kann sehr gut damit umgehen, weil sie es mit Humor trägt. Und darum wird sie von Frauen ebenso gern gesehen wie von Männern. Besonders attraktive Schauspielerinnen ziehen oft nur Männer an, stoßen aber Frauen ab. Bei Jamie ist das jedoch anders: Sie gefällt jedem.

F:   Sie machen sich ebenfalls über die heutzutage häufig vorkommenden Firmenübernahmen lustig.

A:  Ich glaube, es ist heutzutage sehr wichtig, daß Firmen nicht das Gefühl haben sollten, daß sie nur im Geschäft sind, um Geld zu machen. Ich glaube, daß diese Art von Engstirnigkeit für die Gesellschaft ein Desaster bedeutet. Solche Leute wird es jedoch immer geben. Aber glücklicherweise halten andere Leute mit größeren Wertvorstellungen den Planeten in einem normalen Geisteszustand. Was ich eigentlich sagen will ist, wenn Sie der Chef einer großen Firma sind, sollten Sie an die moralische Verantwortung gegenüber Ihren Kunden, Ihren Mitarbeitern und der Gesellschaft denken, deren Teil Sie sind. Und bitte denken Sie nicht nur daran, was für Sie herausspringt.

F:   Sie müssen sich doch sehr gut dabei fühlen, einen Film zu machen, der nicht nur komisch ist, sondern auch eine unterschwellige Botschaft hat.

A:   Sie haben recht. Es gibt eine kleine Botschaft. Aber sie muß subtil sein. Sie können die Leute nicht vor den Kopf stoßen. Wir sind keine Prediger und haben dazu nicht das Recht. Jedoch kann man sein Publikum zum Lachen bringen und gleichzeitig im Hintergrund bestimmte Wertvorstellungen einbringen. Ich glaube, die Leute haben auch nichts dagegen, diese Vorstellungen so schön verpackt anzunehmen.

F:   War es eine Herausforderung, mit so vielen Tieren zu arbeiten?

A:   Wir hatten die Gelegenheit, uns vorher darüber zu informieren, was die Tiere konnten und was nicht. Zum Beispiel halte ich einen Monolog mit einem ringelschwänzigen Halbaffen, währenddem ich ein paar Rosinen, mit denen ich ihn dabei füttere, in der Hand halte. Es gefällt ihm dazusitzen, weil er die Rosinen mag und wir uns beide eigentlich sehr gut verstehen. Und wenn er dann so viele Rosinen gekriegt hat, wie er zum Frühstück mag und unruhig wird, bringen wir ihn weg und tauschen ihn gegen seinen Bruder aus. Dieser sieht vor der Kamera genauso aus, und ich füttere ihn dann weiter.

Nun, das ist sehr einfach. Wenn wir allerdings verlangen würden, daß der Waschbär auf einem Einrad fährt, jongliert, jodelt und dann in einer Rauchwolke verschwindet, dann würden wir ungefähr 13 Wochen damit verbringen, nur diese Szene in den Kasten zu kriegen. Man sollte nicht zu viel von den Tieren verlangen. Wir haben nur sehr einfache Dinge geplant und hatten dementsprechend wenig Probleme.

F:   Wie haben Sie es geschafft, daß die Tiere sich um Sie herum wohl gefühlt haben?

A:   Zuerst habe ich sie jeden Tag besucht und mit ihnen ein wenig Zeit verbracht, damit sie sich an mich gewöhnen konnten. Dann hat Rona, die Tiertrainerin, zu mir gesagt: "Das Beste, was Sie machen können, wäre, ihnen Ihre Unterwäsche zu geben." Also habe ich einige Tage pflichtbewußt in einem Unterhemd geschlafen, bis es, na ja, in England würden wir "geruchsintensiv" sagen, war, und gab es dann (lacht) den Tieren. Die Tiere schliefen dann darauf, und wenn ich am nächsten Morgen zu ihnen kam, dann machten sie so (schnüffelt) und dachten wohl, na, den kenne ich ja. Das hat wirklich geholfen.

F:   Es scheint Ihnen ja unglaublichen Spaß zu bereiten, unangenehme Situationen mit Tieren darzustellen.

A:  Ich glaube, was ich an Tieren mag, ist die Tatsache, daß sie uns daran erinnern, daß wir alle ein Teil des Lebens auf diesem seltsamen Planeten sind. Gleichsam können wir uns in ihnen widerspiegeln. Die Leute sagen, Ò"Das ist absurd, sie sind ja nicht wirklich wie Menschen." Aber ich glaube, manchmal sind sie es doch. Ich glaube, sie teilen einige unserer Gefühle. Wenn ich unsere Katzen erwische - wir haben fünf davon - wie sie versuchen, Essen zu stehlen, besteht kein Zweifel daran, daß sie so tun, als wenn es das letzte wäre, woran sie gerade gedacht hatten. Und sie sehen dann auch schuldbewußt aus. Niemand kann mir erzählen, daß es das nicht ist, was sie gerade dachten. Und das macht sie halt auch so komisch.

F:   Was hat Sie am Lemur so fasziniert?

A:   Ich habe Meerkatzen schon immer gemocht. Sie kommen nur auf der Insel Madagaskar vor, und die Wahrheit ist, daß sie (flüstert), sagen Sie es ihnen nicht, sie sind nicht besonders helle. Sie sind wirklich nicht klug. Und sie haben auch keine natürlichen Feinde. Deshalb weilen sie noch unter uns. Gäbe es nur ein großes schlaues Tier auf Madagaskar, dem Meerkatzen besonders gut schmecken, dann wären sie schon vor Jahrhunderten ausgestorben. Sie sind die süßesten, unschuldigsten - aber wie ich schon sagte, sicherlich nicht die hellsten - kleinen Wesen. Und es ist komisch, wenn man daran denkt, daß das erste Tier, an das ich beim Drehbuch dachte, aus meinen Kindheitserinnerungen stammt.

F:   Was die Leute an Ihren Drehbüchern mögen, ist die Tatsache, daß Sie Ihre Charaktere an den Abgrund des Irrsinns bringen.

A:   Ich liebe es, mit ernsten, glaubwürdigen Charakteren anzufangen und sie dann langsam verrückter, verrückter und verrückter werden zu lassen - bis sie an dem Punkt anlangen, an dem sie fast oder auch tatsächlich zusammenbrechen. Ich mag es, denn ich lache auch gern. Es gibt für mich nichts Schöneres im Leben, als herzhaft zu lachen. Und ich würde mir lieber einen Film anschauen, bei dem ich vor Lachen heulen muß, wie über Jeff Daniels in "Dumm und Dümmer", als einen komplexen (er lacht) schlauen Film, bei dem ich die ganze Zeit lächeln und grinsen muß. Ich liebe es zu lachen. Und die einzige Art, ein solches Lachen hervorzurufen, ist, wenn die Atmosphäre geladen ist und die Leute ein wenig ausflippen. Und das will ich erreichen. Aber ich fange mit der Darstellung der Charaktere als normale an und lasse sie dann immer verrückter werden. Ich glaube, das ist der Augenblick, wo man die größten Lacher erntet.

F:   Macht es Spaß, ein Sexobjekt zu sein?

A:   Aber ja. Der größte Witz in dem Film ist, daß Jamie denkt, ich sei ein begehrtes Sexobjekt. Aber eigentlich interpretiert sie die ganze Sache einfach falsch. Die meiste Zeit denkt sie, daß ich mit irgendwelchen Frauen herumhänge, aber es sind nur die Tiere, die in meinem Zimmer leben.

F:   Alles in allem ist "Fierce Creatures"...

A:   "Fierce Creatures" ist, glaube ich, komischer als "Ein Fisch namens Wanda". Jedenfalls sagen das viele Leute, die in den Probevorstellungen gewesen sind. Ob die Leute allerdings gefühlsmäßig genauso stark von dem Film berührt werden, das liegt wohl in den Händen der Götter. Aber ich glaube, wenn die Zuschauer einen lustigen Abend haben wollen, werden sie nicht enttäuscht sein.

Delikater Lemur
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