Mit seinem Film "Jurassic Park" ließ Steven Spielberg die größten Lebewesen, die je auf unserem Planeten lebten, wieder auferstehen. "Mir liegt daran, einen guten Film zu drehen, der den Dinosauriern zur Ehre gereicht", sagte Spielberg 1993, während er ein biogenetisches Abenteuer verfilmte, das der größte Kassenerfolg in der Geschichte des Kinos werden sollte und das für seine umwälzend neuen visuellen und Sound-Effekte mit drei Academy Awards ausgezeichnet werden sollte.


Jurassic Park Montage.
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Um die mächtigen Tiere, die die Welt 165 Millionen Jahre lang beherrschten, wieder zum Leben zu erwecken, unternahm der Regisseur mit seinem Team von Special- effect-Zauberern eine dreijährige Forschungsreise, in deren Verlauf neue Technologien entstanden, alte umgewandelt wurden und die Kunst des Filmemachens auf die Höhe des 21. Jahrhunderts angehoben wurde.

Im Mai 1990 erhielt Universal Pictures die Druckfahnen des neuen Buchs "DinoPark" des Bestsellerautors Michael Crichton, und schon nach wenigen Stunden verhandelte das Studio intensiv im Namen von Steven Spielberg über den Ankauf der Rechte.

"Es war eines jener Projekte, die auf den ersten Blick nach einem Spielberg-Film aussahen", erinnert sich die Produzentin Kathleen Kennedy, die schon seit 18 Jahren eng mit dem Regisseur zusammenarbeitet. "Wenn man sich das Gesamtwerk Stevens anschaut, sieht man, daß er sich oft für außerordentliche Dinge interessiert, die außerordentlichen Menschen begegnen."

Als Crichton anfing, sein Buch über einen Park mit genmanipulierten Dinos in ein Filmdrehbuch umzuschreiben, machten sich Kennedy und Spielberg daran, ein Team zusammenzustellen, das die kreativen Grundlagen für "Jurassic Park" legen sollte. Der erste an Bord war der Produktionsdesigner Rick Carter, der anfing, mit einer Gruppe von Illustratoren und Storyboard- Künstlern den Text Crichtons in Kinobilder umzusetzen.

Die nächste Herausforderung bestand darin, für die Effekte ein Star-Team zu finden, dessen Aufgabe es war, die Dinos zum Leben zu erwecken. Man wandte sich an Stan Winston: Er sollte die "lebendig" agierenden Dinos entwerfen. Phil Tippett sollte der "Dinosaurier-Supervisor" sein, Michael Lantieri war für die special effects zuständig, und Dennis Muren von Industrial Light & Magics war verantwortlich für die Dinos in full motion. Zu den Leistungen dieses Teams gehörten bereits einige Kassenerfolge von "Krieg der Sterne" bis "Terminator 2 - Der Tag der Abrechnung". Und auch für "Jurassic Park" sollte das Team am Ende einen Oscar für die besten visuellen Effekte erhalten.

 


Steven Spielberg über die Faszination, die Dinosaurier auf uns ausüben.
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Inzwischen ging die Arbeit an dem Drehbuch weiter; zunächst mit Michael Crichtons erstem Entwurf. Später kam der Drehbuchautor David Koepp hinzu und teilte sich am Ende den Erfolg mit Crichton.

Das Casting ging relativ schnell, vor allem in Hinsicht auf Richard Attenborough, den seine Arbeit als anerkannter Regisseur seit 1979 von der Schauspielerei abgehalten hatte. Er wurde für die wichtige Rolle John Hammonds, des Jurassic-Park-Entwicklers, gewonnen. Das hochkarätige Ensemble wurde abgerundet durch Sam Neill als Dr. Alan Grant, ein berühmter Paläontologe, der den Park inspizieren muß, Laura Dern als seine Kollegin Dr. Ellie Sattler, Jeff Goldblum als brillanter, aber exzentrischer Mathematiker, der mit seiner Chaostheorie die Gefahren des Projekts erklärt, sowie Ariana Richards und Joseph Mazzello als Hammonds Enkelkinder.

Um das umfangreiche Projekt zu bewältigen, richtete Winston mehrere Teams ein, zu denen sowohl Künstler als auch Techniker gehörten. Um Ihnen eine Vorstellung von den vielseitigen Aufgaben eines Teams zu vermitteln, wollen wir einmal das "Team Rex" herausgreifen, das aus 12 Operateuren bestand, die die verschiedensten Funktionen zu erfüllen hatten. Der sechs Meter hohe T-Rex wurde aus einem Glasfaserrahmen und 3000 Pfund Ton konstruiert und mit einer haltbaren, aber feinen Latexhaut überzogen. Dann wurde er von einem Künstlerteam angemalt. Dabei wurde eine ganze Palette von verschiedenen Farben verwandt, um den Körper lebendig aussehen zu lassen. Der T-Rex wurde schließlich auf einen "Dino-Simulator" montiert. Der Mechanismus arbeitet mit hydraulischer Technik und basiert auf einem konventionellen sechsachsigen Flugsimulator, der auch in der Armee Verwendung findet. Auf dieser bewegungsorientierten Basis konnte sowohl die Plattform als auch der T-Rex computergesteuert in Bewegung gesetzt werden.


Steven Spielberg über die Storyboarding- Aufgaben zum Film
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Als die eigentlichen Aufnahmen zu "Jurassic Park" am 24. August 1992 auf der Insel Kauai begannen, waren seit dem Anfang der Preproduction genau zwei Jahre und ein Monat vergangen. Die üppig-grüne Ferieninsel in der Nähe von Lihue war ein idealer Drehort für die Außenaufnahmen von "Jurassic Park", aber nach drei Drehwochen unter der tropischen Sonne überschattete ein echtes Drama die Filmarbeit.

Der Hurrikan Iniki näherte sich Kauai mit rasender Geschwindigkeit, und die Crew wurde von der Hotelleitung aufgefordert, die Koffer zu packen und die Badewannen mit Wasser zu füllen, für den Fall, daß es zu Strom- und Wasserausfällen kommen würde. Dann hieß es, sie sollten Vorräte für einen Tag packen und sich im Tanzsaal des Hotels im Erdgeschoß sammeln.

Um 9 Uhr kam der Sturm direkt auf die Insel zu. Kathy Kennedy erinnert sich: "Wir sammelten unsere Vorräte im Ballsaal zusammen, und die Kameraleute packten ihre Sachen in aller Eile auf die Lkws. Wenn Sie einmal die Wahl haben, mit wem Sie eine solche Katastrophe erleben wollen, dann wählen Sie sich eine Filmcrew aus. Wir hatten Generatoren für das Licht und reichlich Essen und Wasser. Wir konnten uns selbst versorgen, weil wir ja ohnehin die ganze Zeit herumzogen."

Die Schauspieler und die Crew lagen auf Reihen von Sofas, die man im Ballsaal aufgestellt hatte. Um 16 Uhr hörten sie, wie der Wind stärker wurde und mit fast 200 km/h vorbeidonnerte. "Es klang, als würde ein Güterzug vorbeirattern", erinnert sich der Produzent.

Als das Wasser auf einer Seite des Ballsaals eindrang, rückte die Crew auf der anderen Seite zusammen. Um 19.30 Uhr traten Kathy Kennedy und Gary Hymes, der Stunt-Koordinator, ins Freie, wo es nun ganz still war. "Ich habe noch nie etwas so Unwirkliches erlebt", erinnert sich Kathy Kennedy. "Noch am Morgen hatte da eine schöne, baumbestandene Straße an einem Golfplatz vorbeigeführt, und nun war jeder einzelne Baum umgeknickt."

Es war zwar noch ein Drehtag vorgesehen, aber Iniki hatte mit seiner Macht alle Aufbauten zum Einsturz gebracht. Es gab keinen Strom und keine Telefonverbindungen mehr auf der Insel, also mußte Kathy Kennedy am nächsten Morgen zwei Meilen zum Flugplatz joggen, um die Lage zu besprechen.

"Die Verwüstungen auf dem Flugplatz waren unvorstellbar", erinnert sie sich. "Alle Fenster des Terminals waren zu Bruch gegangen, überall nur noch entwurzelte Bäume, Sand und Wasser. Alle Hubschrauber waren umgestürzt."

Dank ihres beherzten Einsatzes beim Flughafenpersonal und beim Militär von Lihue konnte Kathy Kennedy schließlich einen Flug in einem Heilsarmeeflugzeug nach Honolulu organisieren, wo sie dann von einem Münztelefon aus das Nötige in die Wege leitete. Im Verlauf der nächsten 24 Stunden koordinierte sie nicht nur die sichere Rückkehr der ganzen Truppe, sie sorgte auch dafür, daß mehr als 20000 Pfund Hilfsgüter aus Honolulu und Los Angeles nach Kauai gebracht wurden.

Nach der Rückkehr nach Los Angeles wurde die Produktion von "Jurassic Park" in den Universal Studios weitergeführt. Bühne 24 war das Besucherzentrum von "Jurassic Park", das von zwei menschenfressenden Velociraptoren heimgesucht wurde. Und während Winstons Team jedes Körperteil der lebensgroßen Tiere vom Kopf bis zum Schwanz steuerte, kauerten Ariana Richards und Joseph Mazzello in der Ecke und spielten zwei kleine Kinder, die im schlimmsten Alptraum ihres Lebens gefangen sind.

Dann packte die Crew erneut ihre Sachen zusammen und zog in den Red Rock Canyon State Park im Westen der Mojave-Wüste. Red Rock war wegen seiner Ähnlichkeit mit einer Saurier-Ausgrabungsstätte in Montana ausgewählt worden. Dort mußten Laura Dern und Sam Neill ihre Rollen spielen. Zuvor hatten sie Nachhilfeunterricht von einem der bedeutendsten Paläontologen des Landes, Jack Horner, erhalten. Als Professor an der Universität von Montana und Kurator für Paläontologie am Museum of the Rockies in Bozeman war Horner ein wertvolles Mitglied der Crew. Er war der offizielle paläontologische Berater.

Auf Bühne 27 begann nun die komplizierte Sequenz, die auf die Konfrontation mit einem gewaltigen T-Rex folgte, der mühelos einen Ford Explorer hochgehoben und an die Zweige eines großen, knorrigen Baums gehängt hatte. Michael Lantieris Team ließ das Auto an Stahlseilen baumeln und ließ es dann langsam von Ast zu Ast herunter, bis es mit ohrenbetäubendem Krach auf den Boden fiel. Inzwischen wurde der tropische Dschungel auf Bühne 27 für drei weitere Szenen umgebaut: für einen frühmorgendlichen Besuch eines Brachiosaurus, einen Überraschungsangriff auf Muldoon (Bob Peck) sowie für Dennis Nedrys (Wayne Knights) Begegnung mit einem "Spucker".

Bühne 28 beherbergte das Herz von "Jurassic Park": den Computer-Kontrollraum und die Saurier-Brutanlage. Unter der Leitung von Michael Backes, dem Computer-Effekt-Designer, war der Kontrollraum die Leitstelle für hochmoderne Ausrüstungen im Wert von fast einer Million Dollar. Die Geräte waren Leihgaben von Industrieführern wie Silicon Graphics, SuperMac, Apple und Thinking Machines.

In der Szene, in der Nedrys Sabotage ein Chaos im Kontrollraum erzeugt, sieht das Kinopublikum die Computerbildschirme und kann sich die Probleme vorstellen, mit denen die Parkbesucher konfrontiert sind.

Der umfangreichste Aufbau für "Jurassic Park" war wohl das Besucherzentrum auf Bühne 12, direkt gefolgt von dem T-Rex-Teich, der auf einer der größten Bühnen der Warner Brothers Studios aufgebaut war. Lantieri und seine Crew bauten die Verdrahtung, die den über 3000 Pfund schweren Saurier bewegte, der viele Stunden in Wind, Regen und Schlamm aushalten mußte.

Der Höhepunkt des Films wurde auf Bühne 12 gedreht, in dem riesigen Rundbau des Parks, der sich - nach dem Drehbuch - noch im Bau befindet. Wenn John Hammond seine Besucher in die Haupthalle führt, sehen sie als erstes zwei gigantische Saurierskelette, ausgestellt inmitten des Rundbaus.

Die beiden Ausstellungsstücke wurden von der in Toronto ansässigen Firma Research Casting International gebaut. Es sind lebensgroße Nachbildungen eines ca. 12 Meter großen T-Rex und eines 14 Meter großen Alamosaurus.

Als die Schauspieler am Ende des letzten Drehtags ihre Champagnergläser erhoben, verkündete ein erschöpfter, aber begeisterter Spielberg, daß "Jurassic Park", ein ehrgeiziges Projekt, das zwei Jahre zur Planung und vier Monate vor der Kamera gebraucht hatte, innerhalb des Budgets und zwölf Tage vor dem Zeitplan fertiggeworden war.