Als Harry Ufland seine Freunde mit Croners Drehbuch bekanntmachte, beeindruckte es durch seine offene Darstellung von Familienbeziehungen, Filmemacher und Stars gleichermaßen: Carl Franklin, die Oscar®-Preisträger Meryl Streep und William Hurt und nicht zuletzt die junge Schauspielerin Renee Zellweger.
Für Carl Franklin bot die Geschichte die Gelegenheit, sich in einem völlig neuen Filmtyp zu versuchen . Der Regisseur, bekannt durch den unabhängigen Film "One False Move" und den finsteren, atmosphärisch dichten Streifen "Teufel in Blau", war für FAMILIENSACHE eine eher überraschende Wahl, obwohl er von Anfang an von dem Projekt begeistert war. Die Geschichte des Films enthält eine Idee, mit der sich Franklin seit jeher auseinandergesetzt hat: die Rolle der Familie und der Gemeinschaft in Amerika.
"Ich las das Drehbuch im Flugzeug, und ich konnte nicht aufhören zu weinen", sagt Franklin. "Ich war zutiefst gerührt, nicht nur von den Figuren, sondern von der Tatsache, daß hier ein Drehbuch war, das sich ernsthaft mit den primären Beziehungen zwischen Männern und Frauen, Müttern und Töchtern, Vätern und Töchtern auseinandersetzte. Diese Beziehungen sind grundlegend für unser Leben und unsere Existenz."
Franklin war vor allem fasziniert von der widerspruchsvollen Beziehung zwischen Ellen und Kate Gulden zwei vitalen Frauen aus verschiedenen Generationen, die völlig gegensätzlich gelebt haben und die sich gegenseitig ein Rätsel sind. Zwischen Ellen und Kate gibt es ein Potential von Wut und Verständnislosigkeit, das sich unter Druck in Respekt und Liebe verwandelt.
"Ellen hat ihre Mutter nie richtig geschätzt", kommentiert Franklin, "und ich glaube, das ist ein allgemeines Problem zwischen Töchtern und Müttern dieser Generation. Bevor sie nach Hause zurückkehrt, sieht Ellen ihre Mutter als eine seichte Person. Sie sieht nicht ihre Intelligenz, ihre Weisheit, ihr Verantwortungsbewußtsein und ihre Sorge. Dabei sind diese Eigenschaften unter der Oberfläche spürbar. Ellen lernt von Kate, wie wichtig es ist, lebendig zu sein und Beziehungen zu heilen, solange es noch möglich ist."
Franklin war gleichermaßen fasziniert von den komplexen Konflikten im Herzen des Patriarchen der Gulden-Familie -- des intellektuell brillanten, aber emotional verschlossenen George Gulden, gespielt von William Hurt. "Es ist sehr interessant, sich einmal die traditionelle, romantische Rolle des Mannes in der Familie anzuschauen und dann zu erkennen, wie zerstörerisch dieses Rollenbild sein kann", meint Franklin. "Ellen erkennt, daß ihr Vater nicht der Mensch ist, für den sie ihn gehalten hat. Und diese Erkenntnis muß sie nun mit ihrem Wunsch nach der Anerkennung durch den Vater in Einklang bringen."
Franklins langjährige Mitarbeiterin, die Produzentin Jesse Beaton, reagierte ähnlich spontan auf das Drehbuch. Sie kannte bereits den Roman und schätzte ihn sehr.
"Ich habe sehr emotional und sehr persönlich auf das Buch reagiert", sagt sie. "Wissen Sie, das ist ein Film über eine Sache, die sehr viele Familien durchmachen. Es geht darum, wie man seine Familie kennenlernt, es geht um den Augenblick, in dem Papa und Mama aufhören, Ikonen zu sein und endlich Individuen mit all ihren Talenten, Schwächen, Träumen und Sehnsüchten werden Menschen wie du und ich. Es geht um die Suche nach den wirklich wichtigen Dingen, und um die Erkenntnis, daß diese Dinge oft in der Familie zu finden sind."
Beaton war davon überzeugt, daß Carl Franklin das Zeug dazu hatte, diese scheinbar häuslichen, aber in Wirklichkeit tiefgründigen Themen ehrlich und unsentimental herauszuarbeiten. Sie kommentiert: "Was die Zuschauer schon immer an Carls Arbeit geschätzt haben, ist nicht die Sperrigkeit, sondern die Menschlichkeit, seine Figuren, und vor allem die Leistung, zu der er seine Darsteller anspornt. Carl hat ein feines Gespür für die Emotionalität der Menschen. In dieser Geschichte ist es ihm gelungen, die tiefsten Gedanken über Familie und Beziehung auszuloten und zu zeigen, was wir gewinnen, wenn wir uns wirklich kennenlernen. Dabei konnte er viel von seinem eigenen Glauben an die Kraft der Familie einbringen. Das größte Kompliment wäre, wenn die Leute aus dem Kino kämen und den Wunsch verspürten, ihre Mutter anzurufen!"
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