Director Gus Van Sant Producer Brian GrazerScreenwriter Joseph StefanoExec. Producer Dany WolfDir. of Photography Chris DoyleProd. Designer Tom FodenEditor Amy DuddlestonCostume Desiger Beatrix Aruna PasztorDanny ElfmanBernard Herrmann
Warum ein Remake?
Das Drehbuch
Die Besetzung
Hitchcocks Gegenwart
Das Filmteam
Die Besetzung

Die Besetzung von "Psycho" war genauso problematisch wie die gesamte Produktion. Die Filmemacher wollten einen direkten Vergleich zwischen den neuen Darstellern und ihren legendären Vorgängern vermeiden. Die Schauspieler sollten frisch, aber nicht weniger außergewöhnlich als die "Originale" sein.

Anne Heche übernahm eine der berühmtesten weiblichen Rollen in der Filmgeschichte: Marion Crane, die auf ihrem Weg in die Freiheit in einem Motel absteigt und sich plötzlich in einem Spiel wiederfindet, dessen Regeln sie nicht kennt. Janet Leigh spielte damals die Rolle mit kühner Sinnlichkeit, aber Anne Heche wußte, daß sie anders vorgehen mußte.

"Marion ist ganz nah an ihrem Traumziel, aber sie schafft es nicht", sagt Heche. "Ich glaube, sie will das Leben hinter sich lassen, das sie sich geschaffen hat, aber sie ist sich dessen nicht bewußt. "Psycho" spielt auf so vielen verschiedenen Ebenen, daß das Bewußte und das Unbewußte, das Unterschwellige und das Reale gleichbedeutend sind."

"Ich glaube, das äußere Verhalten der neuen Marion ist gleichgeblieben, aber ihr Inneres hat sich verändert", erklärt sie. "Ich mußte sie gleichsam modernisieren. Für die Sechziger war sie sehr gewagt, aber was damals gewagt war, ist heute nicht mehr gewagt."

Sie fügt hinzu: "Wir wollten mit dieser neuen Fassung dem Original nichts wegnehmen oder etwas besser machen. Wir wollten lediglich über Hitchcock und das, was er wollte, hinausgehen, und wir wollten moderner sein. Das Schöne und die Herausforderung daran war, daß wir die Worte des Originals so sagten, als würden sie heute gesagt. Und dabei entstand eine völlig neue Energie, eine neue Zeit und ein neuer Raum für die Personen."

Trotzdem ließ sich Heche ständig von Leigh inspirieren. "Ich denke, sie ist eine hervorragende Schauspielerin", bemerkt Heche. "Ich habe sie mir vor jeder Szene, die wir drehten, genau angeschaut."

Auch der neue Norman Bates war für die Filmemacher ein Problem. Im Original brachte der dürre, stammelnde Anthony Perkins seine eigene beängstigende, ungelenke Energie in die Rolle ein. Van Sant glaubte, diese Energieleistung würde sich nicht wiederholen lassen. "Am Anfang war es schwer, sich den Part vorzustellen, ohne an Anthony Perkins zu denken", gesteht er. "Also schauten wir uns den Roman und die Originalfigur an. Und die war überhaupt nicht so wie Perkins. Das machte mir Mut, einen neuen Darsteller zu finden, jemanden, den man sich in der Rolle vorstellen konnte und der trotzdem nicht so spielte wie Perkins."

Vince Vaughn, ein Schauspieler mit einer sehr intensiven Präsenz, paßte genau in die Vorstellung, die Van Sant von der neuen Version hatte. Brian Grazer erklärt: "Vince ist so charmant und nett, daß er dich sofort für sich einnimmt. Er kann auch lustig sein, und er hat es geschafft, all diese Eigenschaften in die Rolle zu integrieren. Aber er kann auch das Unheimliche, Irre darstellen, und Gus hat das sehr schön umgesetzt."

Vaughn wußte genau, daß die Rolle auf eine gewisse Weise "vorbelastet" war, aber das hat ihn nicht gestört. "Ich war selbst ein großer Fan von "Psycho", und ich dachte, wenn noch niemand ein Remake versucht hat, sollte das nicht bedeuten, daß man es gar nicht erst versuchen sollte. Ich war für einen solchen Versuch durchaus ansprechbar. Ich denke, Kunst ist zum Interpretieren und zum Spielen da. In der Musik ist das selbstverständlich. Dort singt ein Sänger oft Jahre später den Song eines anderen auf eine andere Weise, und das berührt die Hörer dann - auf eine andere Weise. Vergleichen Sie zum Beispiel einmal die Ray-Charles-Fassung von 'Unchain My Heart' mit der Fassung von Hank Williams."

Wie Van Sant versuchte auch Vaughn, sich nicht allzusehr von Perkins und seiner Rollenauffassung beeinflussen zu lassen. "Sicher, Anthony Perkins hat eine hervorragende Leistung abgeliefert, eine Leistung, mit der man ihn später identifiziert hat", meint Vaughn. "Aber ich bin Vince Vaughn, und ich bringe meine eigene Lebenserfahrung in die Rolle ein. Ich verbeuge mich vor Perkins und seiner Leistung, aber gleichzeitig mache ich vieles ein bißchen anders."

Die Rolle des Sam Loomis, des Liebhabers von Marion, der in der Originalfassung von John Gavin gespielt wurde, verkörpert Viggo Mortenson, der wie Vaughn versucht, seine ganz persönliche Auffassung einzubringen. Brian Grazer hierzu: "Viggo hat die Figur mit Hilfe der Intonation ein bißchen verändert. Er verleiht der Person ein Texas-Flair, das merkwürdig, aber gleichzeitig cool wirkt."

Mortenson fügt hinzu: "Wir haben versucht, den Charakteren ein wenig mehr Lebendigkeit zu geben, obwohl wir den Dialog nicht angetastet haben."

Der Oscar®-gekrönte Schauspieler William H. Macy spielt die Rolle des Privatdetektivs Milton Arbogast, den im Original Martin Balsam spielte. Macy reagierte auf die Nachricht von einem neuen "Psycho" wie viele seiner Generation: "Warum? Warum ein Remake?" Aber bald hatte Macy eine Antwort: "Es gibt viele Menschen, die keine Schwarzweißfilme sehen und die auch nicht mehr damit anfangen werden. Diesen Film werden sie aber sehen. Mein zweiter Grund, die Rolle zu übernehmen, war Gus Van Sant. Wenn er eines Tages das Telefonbuch verfilmt, mache ich mit. Der dritte Grund liegt für mich in den phantastischen Darstellern. Und schließlich: Dieses Remake von "Psycho" ist eine Hommage an das Original und gleichzeitig ein brandneuer Film."

Im Gegensatz zu den anderen Schauspielern zog es Macy vor, sich nicht auf das Original zu beziehen. "Ich habe mir den alten Film nicht noch einmal angeschaut", kommentiert er. "Martin Balsam war ein derart guter Schauspieler, daß es für mich regelrecht eine Erleichterung war, daß ich die Rolle ein bißchen anders spielen durfte. Den Rahmen übernehme ich, drücke ihm aber meinen eigenen Stempel auf."

Auch Julianne Moore drückt einer klassischen Rolle ihren eigenen Stempel auf. Sie spielt Marions Schwester Lila (bei Hitchcock: Vera Miles). Moore war von der Herausforderung angetan, ein 40 Jahre altes Drehbuch neu zu lesen. "Im Drehbuch weht der Geist der Fünfziger und Sechziger, und der Ton ist ein anderer als der der heutigen Drehbücher. Schon das hat mich interessiert. Ich wollte versuchen, etwas modern aufzufassen, das nicht modern ist. Es war unsere Aufgabe, dem Drehbuch neues Leben einzuhauchen", bemerkt sie.

Auch Moore wollte der Originaldarstellerin ihren Tribut zollen, aber sie gesteht: "Ich bin froh, daß ich nicht wie die arme Vera im ganzen Film einen weitgeschnittenen Mantel tragen mußte."

Auch bei den Nebendarstellern finden sich einige prominente Namen. Robert Forster spielt Dr. Simon, Chad Everett den Millionär Tom Cassidy, und Rance Howard, der Vater von Ron Howard, spielt den Immobilienmakler Mr. Lowry. Weitere Darsteller sind Rita Wilson als Marions Kollegin Caroline, James Remar als Wachmann, James LeGros als Autohändler, Philip Baker Hall als Sheriff Chambers und Anne Haney als Mrs. Chambers.

Brian Grazer bemerkt: "Es ist nicht üblich, Schauspieler dieses Kalibers für kleine Rollen zu bekommen, aber für Gus haben sie's gemacht, und natürlich wegen der anderen hervorragenden Darsteller."