Director Gus Van Sant Producer Brian GrazerScreenwriter Joseph StefanoExec. Producer Dany WolfDir. of Photography Chris DoyleProd. Designer Tom FodenEditor Amy DuddlestonCostume Desiger Beatrix Aruna PasztorDanny ElfmanBernard Herrmann
Warum ein Remake?
Das Drehbuch
Die Besetzung
Hitchcocks Gegenwart
Das Filmteam
Das Drehbuch

Joseph Stefanos Originaldrehbuch zu "Psycho" beruhte auf einem Roman von Robert Bloch. Das Motiv der Geschichte ist das Pech, das man im Extremfall bei der Wahl der Unterkunft haben kann. Das höchst originelle Buch beschwört eine rätselhafte Welt der Gewalt, in der das Gute nicht siegt und das Böse sich hinter der Fassade des Alltags verbirgt. Der Film räumte radikal mit den konventionellen Vorstellungen von Helden und Heldinnen auf. Im Zentrum des Originalfilms steht die aufreizende Marion Crane, eine junge Frau, die in dem verzweifelten Versuch, ihr Leben zu ändern, ihren Chef bestiehlt. Mit gepackten Koffern, dem gestohlenen Geld und der Aussicht auf einen Neuanfang verläßt sie Hals über Kopf die Stadt. Bei Einbruch der Nacht sucht sie Zuflucht in einem abgelegenen Motel. Marion ist weder moralisch integer noch ausgesprochen böse. Sie fällt rein zufällig einem Psychopathen zum Opfer, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Auch der freundliche Motelbesitzer Norman Bates widersprach damals allen Vorstellungen von einer Filmfigur. Der ordentliche, ruhige, vielleicht ein wenig seltsame junge Mann stellt sich als ödipales Wrack heraus, als ein Mann, der den Hang verspürt, mit dem Küchenmesser schreckliche Dinge anzustellen. Nie zuvor hatten amerikanischen Kinogänger ein derart krasses Bild des Abnormalen - versteckt hinter der Fassade der Normalität - gesehen.

Gleichermaßen mysteriös war die Figur der Mutter Normans, die trotz ihrer sonderbaren Abwesenheit einen geradezu vernichtenden Einfluß auf den scheuen, sensiblen Norman auszuüben schien.

Für Alfred Hitchcock war Stefanos Drehbuch perfekt geeignet, das Publikum "einen Zeh ins kalte Wasser der Angst" tauchen zu lassen. Das Buch erforschte die erschreckendsten Abgründe der menschlichen Seele: von der Sexualität über den Ödipuskomplex bis hin zu den mörderischen Impulsen. Stefanos Drehbuch galt Cineasten lange Zeit als unantastbar, obwohl der Autor diese Ansicht nicht teilte.

"Ich weiß, in Hollywood findet man das seltsam, aber die Idee eines Remakes beunruhigt mich gar nicht", meint er. "Normalerweise schreibt man ein Drehbuch, und das war's dann. Ich kenne keinen Drehbuchautor, dessen Buch ähnlich neu bearbeitet wurde wie, sagen wir mal, Arthur Millers Stücke. Die Chance, mein Werk zu neuem Leben erweckt zu sehen, habe ich mir nie träumen lassen. Ich habe mir das allerdings immer als etwas sehr Schönes vorgestellt."

Er fügt hinzu: "Wenn die Leute etwas gegen die Neufassung haben, dann wohl nur deshalb, weil sie nicht sehen, wie alt die alte Fassung ist. Sie ist für das Publikum unserer Tage nicht mehr aktuell, und ich wüßte nicht, warum sie nicht aktualisiert werden sollte."

Schon bald nach dem Okay von Universal für das umstrittene Projekt lud Gus Van Sant Stefano zum Essen ein, und wie ein aufgeregter Verliebter sprach er von den Absichten, die er in bezug auf das Meisterwerk hatte. "Gus erklärte, er habe ein Remake von "Psycho" vor, keine totale Neufassung. Er wollte der Hitchcock-Fassung so nahe wie nur möglich bleiben. Das hat mich beruhigt, und ich war sehr erfreut", erinnert sich Stefano. "Ich halte ihn für einen der besten Regisseure, jedenfalls für den einzigen, dem ich mein Buch beruhigt anvertrauen kann."

Obwohl Van Sant die Absicht hatte, "Psycho" ohne größere Veränderungen neu zu drehen, kam er mit Stefano überein, daß bestimmte 'Polituren' und Aktualisierungen nötig waren, um die Story im Hinblick auf Stil und Moral auf den heutgen Stand zu bringen. Dadurch würde das ganze Projekt nur authentischer. "Es waren kleinere, aber wichtige Dinge", sagt Stefano. "Im Originalfilm herrschte zum Beispiel noch die Vorstellung, daß es ungehörig sei, die Essenszeit in einem Motelzimmer zu verbringen. Das würde heute nicht mehr beim Publikum ankommen. Auch mußte ich den Geldbetrag, den Marion stiehlt, ändern - und ähnliche Dinge mehr."

Die Dialoge wurden weitgehend unverändert übernommen, außer einigen Kleinigkeiten, die an die Gegenwart angepaßt werden mußten. Stefano hierzu: "Wir mußten die Sensibilität unserer Tage berücksichtigen, selbst dort, wo wir die gleichen Worte benutzten. Die Neufassung ist quasi das Endprodukt der Original-Story von "Psycho"."